Mein erster Workshop: Handpuppenbau mit Kindern in Japan
- Annabell
- 18. Mai 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli 2025
Im Februar 2024, während meines zehnmonatigem Working Holiday in Japan (Okt. 2023 - Juli 2024), hielt ich meinen ersten Workshop. Sein Inhalt war Handpuppenbau mit Kindern, entsprechend dem Thema meines zweiten Projektjahres (Frühling 2023 bis Frühling 2024): "Handpuppenbau und -spiel."
Mit dem Ziel einer neu entwickelten Bauart aus japanischen Naturmaterialien arbeitete ich seit meiner Einreise im Oktober 2023 mit Washi, traditionellem japanischem Papier, in eigener Herstellung aus Rohmaterial, der Erprobung von Marktsorten und in der Kreation verschiedener Handpuppen.

Als meine Technik gereift war, brachte ich mein Angebot, Kurse zu geben, mündlich in Umlauf. Bald darauf beauftragte mich eine wöchentliche sogenannte "freie Schule", in der Kinder im Grundschulalter spielend Handwerke und manchmal auch Feldarbeiten lernen.
An vier Freitagvormittagen unterrichtete ich dort eine Teilnehmergruppe aus vier Grundschulkindern, zwei Kindergartenkindern und einem Großvater beim Bau der jeweils frei erfundenen ersten Handpuppe.

Die Kinder hatten zwar noch nie Handpuppen gesehen, schlüpften jedoch mit großer Fantasie und Konzentration in ihre Schöpfungen, bis schließlich auch die Hände freudig in die fertigen Puppen glitten: Ein sieben- bis achtjähriges Mädchen, dessen Familie Schafe und Ziegen hält, schuf ein flauschiges Schaf mit der Wolle der eigenen Tiere. Seinen etwa vier- bis fünfjährigen Bruder inspirierte eine unbremsbare Begeisterung für Züge, die dem Jungen bereits im Alter von unter einem Jahr erwacht war, zum Bau einer Lokomotive. Deren Dampf schuf er aus Wolle, welche er in den Schornstein steckte und sorgfältig zur Schwade ausformte. Das jüngste der drei Geschwisterkinder baute ihm nach.
Gegen Endes des Kurses strickten oder nähten einige Mütter sogar Accessoires für die Puppen ihrer Kinder.
So entstanden sieben einmalige Figuren:
zwei Katzen, ein Mädchen, ein Oni (japanischer gehörnter Dämon), ein Schaf und zwei Züge.


In jeder fertigen Handpuppe offenbarte sich ein innerseelischer Ausdruck ihres Schöpfers. Der Moment, in dem ein Kind zum ersten Mal die eigene Puppe auf die Hand nahm, blieb mir eindrücklich in Erinnerung: Der Puppe schien sogleich Leben eingehaucht und das Kind erstrahlte in der Berührung voll Freude, ehe es die Figur der Umwelt zuwandte.
Nach Abschluss des Kurses bekam ich eine Einladung: Die Kinder hatten unter sich ein Drehbuch für eine Aufführung geschrieben, zu dem sie die Erwachsenen einluden.
Dabei barg die erste der gespielten drei Geschichten eine Überraschung in ihrem Ende. Inspiriert von einem russischen Bilderbuch, ging es um einen verlorenen Handschuh, dargestellt durch einen Pappkarton mit Guckloch, den zuerst die beiden Katzen fanden und in ihn krochen. Eine nach der anderen erschienen alle Figuren, die sich namentlich vorstellten, und baten um Einlass in den bequemen Raum. Als zum Schluss der Zug des jüngsten Spielers, des vier- bis fünfjährigen Jungen, kam und eingelassen wurde, platzte der volle Handschuh - und in dem Moment laut knallend hinter der Bühne ein versteckter Luftballon!
Die Kinder kamen lachend hervor, in Freude über ihre gelungene Aufführung, und versicherten sich, ob auch alle eine Überraschung erlebt hatten.
Es war mir eine Ehre, euch kleine Künstler zu unterrichten. Ich wünsche euch und euren Handpuppen alles erdenklich Gute!
In Zukunft biete ich auch in Deutschland und in der Schweiz Workshops, Einzelstunden und Projektbegleitungen an. Mehr darüber erfahren Sie hier .
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